Ein Reh, das im hohen Gras ruht, offenbart sich lediglich durch seine Ohren und die obere Kontur seines Schädels. Der übrige Körper des Tieres verweilt unsichtbar innerhalb des Bildausschnitts, und eben diese verborgene Präsenz bildet das Wesen der gesamten Aufnahme.
Die Komposition bricht bewusst mit einer Regel: Das Motiv nimmt vielleicht ein Vierzigstel der Fläche ein, ist tief platziert und ringsum von einer Grasmasse umgeben, die das Gegenlicht in ein säuerliches, beinahe fluoreszierendes Grün verwandelt hat. Nichts lenkt den Blick. Man findet das Tier oder eben nicht, und genau diese zwei oder drei Sekunden des Suchens waren es, die ich einfangen wollte, denn sie spiegeln die wahre Erfahrung der Wiese wider.
Das Licht fällt von hinten und leicht von oben, durchdringt die Halme, anstatt auf sie zu treffen, weshalb das Grün leuchtet, anstatt zu reflektieren. Gegenbeleuchtetes Gras verliert seine lokale Farbe, es wird zu reiner Leuchtkraft, und vor diesem Hintergrund ist ein Fleck grau-braunen Fells beinahe das Einzige, was das Auge als Objekt klassifizieren kann.
Was ich empfand, war die Umkehrung der üblichen Rollen. Das Tier hatte mich längst gesehen, hatte sich entschieden, nicht zu bewegen, und beobachtete mich dabei, wie ich es suchte. Zwischen dem Niederlegen und dem Verschwinden gibt es für ein Reh keinerlei Unterschied.
Ich wollte das fotografieren, was sich nicht offenbart, und darauf vertrauen, dass der Betrachter des Abzugs es ohne Hilfe finden würde.
Limitierte Fine-Art-Edition aus der Skywaven Studios Kollektion, erhältlich in verschiedenen Größen, Papieren und Rahmungsoptionen.





